KI im öffentlichen Sektor Schwedens: Kommunen, IMY und Geheimhaltung
Schwedische Kommunen setzen generative KI ein. IMY, Öffentlichkeitsprinzip und OSL: die Risiken, wenn Bürgerdaten in einen KI-Assistenten kopiert werden.

Schwedische Kommunen waren bei der Digitalisierung oft früh dran. Viele testen inzwischen generative KI, um Schreiben zu entwerfen, Akten zusammenzufassen oder Bürgern schneller zu antworten. Die Zeitersparnis ist real, vor allem in Sozialdiensten, Schulen und Bauverwaltung, wo Beschäftigte einen großen Teil des Tages mit Schreiben verbringen.
Doch eine schwedische Kommune arbeitet nicht wie ein Unternehmen. Sie unterliegt dem Grundsatz des öffentlichen Zugangs zu amtlichen Dokumenten und einem strengen Geheimhaltungsgesetz. Wer die Akte eines Bürgers in einen KI-Assistenten kopiert, wirft deshalb Fragen auf, die sich ein privates Unternehmen nie stellen muss.
Ein öffentlicher Sektor, der KI nutzen will
Schweden hat 290 Kommunen und 21 Regionen, die den Großteil der Alltagsleistungen erbringen: Sozialhilfe, Schulen, Altenpflege und, bei den Regionen, Gesundheitsversorgung. Die Regierung fördert den Einsatz von KI. Im Juli 2024 beauftragte sie die Behörde für digitale Verwaltung (Digg) und die Datenschutzbehörde IMY, nationale Leitlinien für generative KI in der Verwaltung zu erarbeiten.
Die Leitlinien wurden im Januar 2025 vorgestellt. Sie decken sechs Bereiche ab: Steuerung und Verantwortung, Cybersicherheit, DSGVO, Ethik, Arbeitsrecht und Beschaffung. Sie sollen fortlaufend an die Entwicklung der Werkzeuge angepasst werden.
IMY, die Behörde, die man kennen sollte
Die Integritetsskyddsmyndigheten (IMY), bis 2021 Datainspektionen genannt, überwacht die DSGVO und das schwedische Ergänzungsgesetz zum Datenschutz (lag 2018:218). Ihre Botschaft zu KI ist klar: KI und Privatsphäre lassen sich vereinbaren, wenn Datenfragen gleich zu Projektbeginn geklärt werden.
Die Behörde hat auch gezeigt, dass sie öffentliche Stellen sanktioniert. 2019, noch als Datainspektionen, verhängte sie gegen den Schulausschuss von Skellefteå ein Bußgeld von 200.000 Kronen wegen eines Tests mit Gesichtserkennung zur Erfassung der Anwesenheit von Schülern. Es war das erste DSGVO-Bußgeld in Schweden. 2021 sanktionierte IMY die nationale Polizei wegen der Nutzung von Clearview AI. Beide Fälle betrafen keine generative KI, zeigen aber, dass auch ein bloßer Test den Regeln unterliegt.

Öffentlichkeitsprinzip: Was Sie schreiben, kann öffentlich werden
Der Grundsatz des Zugangs zu amtlichen Dokumenten, die offentlighetsprincipen, ist in der Pressefreiheitsverordnung verankert, einem der schwedischen Grundgesetze. Jeder Bürger kann Einsicht in Dokumente einer Behörde verlangen, sofern keine Geheimhaltungsregel entgegensteht.
Für generative KI ergeben sich daraus praktische Fragen. Kann ein Prompt, den eine Mitarbeiterin abschickt, oder eine in einer Akte gespeicherte Antwort zu einem amtlichen Dokument werden? Muss es registriert und archiviert werden? Das hängt davon ab, wie das Werkzeug genutzt und was aufbewahrt wird. Jede Behörde muss das selbst prüfen und dokumentieren, am besten noch vor der Einführung.
OSL: Geheimhaltung endet nicht vor dem Chatbot
Die zweite Säule ist das Gesetz über Öffentlichkeit und Geheimhaltung, offentlighets- och sekretesslagen (OSL, 2009:400). Es schützt unter anderem Informationen aus Sozialdiensten, Gesundheitswesen und Schulen. Wer geschützte Informationen ohne Rechtsgrundlage an Dritte weitergibt, riskiert eine unzulässige Offenlegung.
Seit dem 1. Juli 2023 erlaubt eine neue Regel (Kapitel 10, § 2 a) die Weitergabe geschützter Informationen an einen Dienstleister, der sie für die Behörde nur technisch verarbeitet oder speichert, sofern dies nach den Umständen nicht unangemessen ist. Gedacht ist das für vertraglich geregeltes IT-Outsourcing. Schwer vorstellbar, dass es eine Mitarbeiterin abdeckt, die eine Akte in einen frei verfügbaren KI-Assistenten mit privatem Konto kopiert.
Die konkreten Risiken in einer Kommune
Die kritischen Situationen sind oft alltäglich:
ein Sozialarbeiter lässt einen Chatbot die Einschätzung einer Familie umformulieren;
eine Mitarbeiterin der Bauverwaltung fasst einen Widerspruch mit Namen und Adressen zusammen;
eine Schulkrankenschwester entwirft einen Brief auf Grundlage einer Gesundheitsakte;
die Personalabteilung lässt Bewerbungen mit persönlichen Identifikationsnummern analysieren.
In jedem Fall liegt das Problem nicht in der KI selbst, sondern in den Daten, die abfließen. Diesen Mechanismus beschreiben wir in unserer Anatomie eines KI-Datenlecks.
KI nutzen, ohne Bürgerdaten preiszugeben
Ein pauschales KI-Verbot löst nichts: Wer mit KI Zeit spart, sucht sich einen anderen Weg, oft einen unsichereren. Eine kleine Kommune hat zudem selten ein Team, das jeden Anwendungsfall einzeln prüfen kann. Besser ist es, ein freigegebenes Werkzeug bereitzustellen, eine kurze Regel zu den Daten zu schreiben, die die Verwaltung nie verlassen dürfen, und eine technische Sicherung einzubauen, die beim Absenden greift, also genau dort, wo Fehler tatsächlich passieren.
KI-DLP wie ZeusLock greift in dem Moment, in dem Beschäftigte ihren Text absenden. Auf dem Endgerät oder im Browser erkennt sie sensible Daten wie Kennnummern, Namen oder Gesundheitsangaben und ersetzt sie per formatbewahrender Anonymisierung durch fiktive Werte, warnt oder blockiert den Versand. Jeder Vorfall wird protokolliert, was der Kommune hilft, ihre Sicherheitsmaßnahmen zu dokumentieren.
Diese Kontrolle ergänzt die grundsätzlichen Entscheidungen: Lösungen mit Hosting in der EU bevorzugen, wie wir in unserem Beitrag zu souveräner KI für europäische CISOs erklären, und KI in das Cyber-Risikomanagement nach NIS2 einbinden.
Zusammenfassung
Schwedische Kommunen haben gute Gründe, generative KI einzusetzen, und nationale Leitlinien, die dabei helfen. Doch Öffentlichkeitsprinzip, OSL und die von IMY überwachte DSGVO verlangen besondere Sorgfalt mit Bürgerdaten. Wer filtert, was in Prompts gelangt, behält die Vorteile der KI, ohne das Vertrauen der Bürger zu verspielen.
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